Feuer als thermische Partitur


Thermische Feuerprofile für programmierbare Elektroherde

Fassung: Internetveröffentlichung 1.0 vom 29. Juli 2026
Ursprung der Idee: 1979 von Sen und einem Freund privat besprochen
Autor: Sven Eweleit
Projekt: SenGeKu – Embodied Cognition and Cultivation Research
Veröffentlicht unter: https://www.sen-ge-ku.de/feuer-als-thermische-partitur/
Status: Öffentlich zugängliche technische Beschreibung
Lizenz: Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)

Hinweis zur Datierung: Die Erinnerung an das Gespräch von 1979 beschreibt den Ursprung der Idee, ist aber keine Behauptung einer damaligen öffentlichen Veröffentlichung. Öffentlich zugänglich ist diese technische Beschreibung seit dem 29. Juli 2026.


Die Idee in Kürze

Geschmacksvielfalt zurück in die Welt präzise steuerbarer Elektroherde und Öfen

Was wäre, wenn ein elektrischer Herd nicht nur eine Leistungsstufe oder Zieltemperatur beherrschte, sondern die thermische Handschrift verschiedener Feuer wiedergeben könnte?

Geschmack entsteht nicht allein aus Zutaten und einer bestimmten Endtemperatur. Entscheidend ist auch die gesamte Wärmegeschichte eines Lebensmittels: Wie schnell steigt die Temperatur? Welche Spitzen werden erreicht? Wie lange bleibt die Oberfläche in bestimmten Reaktionsbereichen? Wann kann Feuchtigkeit entweichen, und wann folgt der nächste Wärmeschub?

Diese Verläufe beeinflussen Maillard-Reaktionen, Karamellisierung, Fettreaktionen, Krustenbildung und die Entstehung flüchtiger Aromastoffe. Eine gleichmäßige elektrische Wärmeabgabe kann deshalb trotz hoher Präzision eine andere Geschmacksstruktur erzeugen als eine lebendige Gasflamme, ein Glutbett oder ein Holzfeuer.

Diese Erfahrung wird auch in der Spitzenküche beschrieben. Michelin-Sternekoch Nicolas Boutin sagt, selbst einfache Pommes würden mit Gas besser gelingen als elektrisch. Beim sogenannten Wok Hei – der charakteristischen Aromatik sehr heißen Wokkochens – berichtet der Guide Michelin von einem Induktionsversuch, dem genau diese Qualität fehlte.

Die Ursache muss dabei nicht allein in der offenen Flamme liegen. Feuer erzeugt ein komplexes Zusammenspiel aus zeitlichen Leistungsschwankungen, räumlichen Wärmeschwerpunkten, Strahlung, Konvektion und Feuchtigkeitsdynamik. Ein Teil dieser thermischen Vielfalt könnte technisch vermessen, gespeichert und auf elektrische Kochgeräte übertragen werden.

Thermische Feuerprofile sollen deshalb nicht bloß sichtbare Flammen simulieren. Sie sollen die zeitliche und – bei geeigneten Geräten – räumliche Wärmedynamik einer Gasflamme, eines Glutbetts, eines Holzfeuers oder eines Lagerfeuers möglichst naturgetreu bis zur Position des Kochgefäßes nachbilden.

Damit verbindet sich die Präzision elektrischer Herde, Öfen und Kochplatten mit einer neuen kulinarischen Freiheit: Wärme wird nicht länger nur als Stufe oder Temperatur verstanden, sondern als gestaltbarer Verlauf – mit dem Ziel, geschmackliche Vielfalt zurückzugewinnen.


  1. Grundgedanke

Ein reales Feuer überträgt Wärme nicht vollkommen gleichmäßig. Die momentane Wärmeleistung verändert sich durch Strömung, Verbrennung, Brennstoffbewegung, Glutbildung, Wind, Flammenabriss und Wiederentzündung. Diese Veränderungen treffen zunächst auf die Unterseite des Kochgefäßes. Erst danach verteilt, speichert und dämpft der jeweilige Topf die Wärme.

Genau diese Trennung ist für den Vorschlag entscheidend: Der Herd soll möglichst naturgetreu das Wärmeangebot bis zum Topf erzeugen. Was der konkrete Topf daraus macht, wird nicht automatisch korrigiert. Seine Leitfähigkeit, Masse, Wandstärke und Form bleiben als sinnvolle Versuchsparameter erhalten.

Die Technik bildet deshalb nicht bloß die sichtbare Helligkeit oder das Geräusch einer Flamme nach. Sie verwendet eine thermische Signatur, die auf dem zeitlichen und räumlichen Wärmefluss an der vorgesehenen Topfposition beruht.

Technische Begriffsklärung

Bei einem Induktionsherd erzeugt die Leistungselektronik ein hochfrequentes elektromagnetisches Feld. Die hier vorgeschlagene Feuercharakteristik ist jedoch keine unmittelbare Kopie einer vermeintlichen „elektromagnetischen Frequenz der Flamme“. Sie ist eine wesentlich langsamere Modulation der mittleren Heizleistung oder des gewünschten Wärmeflusses. Die schnelle elektrische Trägerfrequenz bleibt Aufgabe der sicheren Geräteelektronik; darüber liegt eine zeitliche und gegebenenfalls räumliche Leistungshüllkurve, die aus der Wärmewirkung eines realen Feuers gewonnen wird.

Ebenso ist mit dem zunächst erinnerten Ausdruck „Myelisierung“ im Kochzusammenhang sehr wahrscheinlich die Maillard-Reaktion oder, umgangssprachlich, Maillardisierung gemeint: eine Gruppe temperatur- und feuchtigkeitsabhängiger Reaktionen zwischen reduzierenden Zuckern und Aminoverbindungen, die zahlreiche Bräunungs- und Aromastoffe hervorbringen kann.

Eine einfache Darstellung des gewünschten Leistungsverlaufs lautet:

P_soll(t) = Begrenzung(P_mittel + A · F(t))

Dabei bedeuten:

  • P_soll(t): gewünschte elektrische Heizleistung zum Zeitpunkt t
  • P_mittel: gewählte mittlere Kochleistung
  • A: Stärke der thermischen Schwankung
  • F(t): normiertes Feuerprofil
  • Begrenzung: Einhaltung der zulässigen Leistung und Temperatur

Das Profil kann deterministisch, aufgezeichnet, algorithmisch erzeugt oder teilweise zufällig sein. Bei zufälligen Profilen kann ein gespeicherter Startwert verwendet werden, damit ein Kochversuch exakt wiederholbar bleibt.

  1. Das thermische Feuerprofil

Ein austauschbares Profil kann mindestens folgende Informationen enthalten:

  • Name, Herkunft und Beschreibung der Feuerart
  • zeitlicher Verlauf einer normierten Leistung oder eines gewünschten Wärmeflusses
  • mittlere Leistung
  • Schwankungsbreite
  • charakteristische Zeitskalen oder ein Frequenzspektrum
  • Dauer und Wiederholungsregeln
  • feste oder zufällige Ereignisse wie Aufflammen und Glutphasen
  • räumliche Leistungsverteilung bei mehreren Heizzonen oder Induktionsspulen
  • Zufallsstartwert zur Wiederholbarkeit
  • gewünschter Temperaturbereich
  • zulässige Spitzenleistung und Spitzentemperatur
  • Messhöhe und geometrische Bezugsebene der natürlichen Wärmequelle
  • verwendeter Messkörper oder standardisierter Referenzabsorber
  • räumliche Messauflösung und wirksame beheizte Fläche
  • Messdaten und Kalibrierinformationen
  • Herkunft, Urheber, Lizenz und Versionsnummer
  • Sicherheitsgrenzen und empfohlene Anwendungsfälle

Ein offenes Dateiformat kann beispielsweise als Thermal Score, Fire Profile oder Open Fire Profile bezeichnet werden. Das Format kann als lesbare JSON-, CSV- oder vergleichbare Datei ausgeführt werden. Die Datei enthält keine unsicheren direkten Netzspannungs- oder Transistorschaltbefehle, sondern eine geräteunabhängige thermische Zielbeschreibung.

  1. Erfassung realer Feuer

Zur Gewinnung eines Ausgangsprofils wird eine Feuerart unter festgelegten Bedingungen vermessen. Die entscheidende Bezugsebene liegt dort, wo beim Kochen die Unterseite des Kochgefäßes wäre. Erfasst wird also möglichst das Wärmeangebot, das die natürliche Quelle bis zu dieser Ebene liefert – noch bevor ein bestimmter Topf es verteilt und dämpft.

Möglich sind insbesondere:

  • Wärmeflusssensoren über oder neben der Flamme
  • ein standardisierter Kalorimeterkörper
  • eine ebene Anordnung mehrerer Wärmeflusssensoren
  • ein standardisierter, dünner und gut charakterisierter Referenzabsorber
  • ein instrumentierter Messkörper an der vorgesehenen Topfposition
  • Infrarotmessung geeigneter Oberflächen
  • gleichzeitige Aufzeichnung von Wind, Flammenbild und Schall als ergänzende Metadaten

Das Ausgangsprofil soll die thermischen Schwankungen der natürlichen Quelle innerhalb der messbaren und technisch reproduzierbaren Grenzen so vollständig wie möglich bewahren. Nur Anteile, die das elektrische Heizverfahren physikalisch nicht wiedergeben kann oder die für einen sicheren Betrieb unzulässig wären, werden begrenzt. Eine Glättung ist zu dokumentieren und darf nicht stillschweigend den Charakter des Feuers ersetzen.

Als erste Bibliothek werden mindestens folgende Szenarien offengelegt:

  1. ruhige kleine Gasflamme
  2. kräftige Gasflamme
  3. unruhige Gasflamme unter Luftzug
  4. Kerzen- oder Öllampenflamme
  5. gleichmäßiges Glutbett
  6. kleines Holzkochfeuer
  7. Holzfeuer mit wechselnden Aufflamm- und Glutphasen
  8. offenes Lagerfeuer
  9. offenes Feuer unter wechselndem Wind
  10. frei vom Koch gestaltete oder aus mehreren Feuerarten gemischte Profile
  11. Kompensation des elektrischen Heizverfahrens

Gasflamme, Glut, Strahlungskochfeld, Widerstandsplatte und Induktion erzeugen Wärme auf unterschiedliche Weise. Ein identischer elektrischer Sollwert würde daher noch kein identisches Wärmeprofil an der Topfposition hervorbringen. Die erste Ausführung kompensiert diese Unterschiede des Heizverfahrens, nicht die Unterschiede der verwendeten Töpfe.

Ein Geräteprofil oder ein bei der Entwicklung ermitteltes Übertragungsmodell übersetzt das abstrakte Feuerprofil in die Ansteuerung eines bestimmten Herdmodells. Hierzu kann das System:

  • Verzögerung und Wärmespeicherung des Heizelements berücksichtigen
  • die nichtlineare Beziehung zwischen elektrischer Eingangsleistung und abgegebener Wärme ausgleichen
  • Totzeiten, Pulsbetrieb und begrenzte Änderungsgeschwindigkeit berücksichtigen
  • räumliche Unterschiede zwischen Flamme, Heizspirale, Strahlungszone und Induktionsspule kompensieren
  • das Profil für trägere Heizsysteme soweit technisch möglich vorverzerren
  • nicht reproduzierbare oder sicherheitswidrige Anteile nachvollziehbar begrenzen
  • die mittlere Leistung und die Energie des Ausgangsprofils erhalten oder eine Abweichung ausweisen

Die Kalibrierung erfolgt einmalig für das jeweilige Herdmodell oder Heizverfahren mit einem festgelegten Messaufbau. Im späteren Kochbetrieb muss der Herd weder Topfmaterial noch Gargut erkennen. Er gibt das ausgewählte Feuerprofil offen gesteuert und reproduzierbar wieder. Eine einfache manuelle Skalierung der Grundhitze und der Profilstärke bleibt möglich.

Bei Strahlungs- und Widerstandssystemen lässt sich die abgegebene Wärme an einer definierten Bezugsebene kalibrieren. Bei Induktion entsteht die Wärme erst im gekoppelten Material. Deshalb wird die Gerätekalibrierung dort mit einem standardisierten Referenzempfänger durchgeführt. Der reale Topf darf anschließend bewusst anders reagieren; genau dieser Unterschied gehört zum Experiment.

Spätere Ausführungen können auf Wunsch eine Topf- oder Temperaturregelung anbieten. Sie sind jedoch eine zusätzliche Betriebsart und nicht Voraussetzung des hier beschriebenen Grundprinzips.

  1. Kupfer und andere Kochgefäße

Kupfer ist für Versuche besonders interessant, weil es Wärme sehr gut verteilt und bei geeigneter Bauweise schnell auf Leistungsänderungen reagiert. Eine Zinn- oder Edelstahlauskleidung und die Dicke des Topfes verändern die Gesamtwirkung. Für gewöhnliche Induktionsfelder kann ein magnetisch gekoppelter Mehrschichtboden oder eine andere induktionsgeeignete Konstruktion verwendet werden.

Auch andere Materialien können mit denselben Profilen erprobt werden:

  • Kupfer und ausgekleidetes Kupfer
  • Mehrschichtmaterialien mit Kupfer- oder Aluminiumkern
  • Aluminium
  • Edelstahl
  • Kohlenstoffstahl
  • Gusseisen
  • Keramik- und Verbundkochgefäße mit geeigneter Heizkopplung

Das Kochgefäß ist kein Störfaktor, der vom Herd automatisch neutralisiert werden soll. Es ist der frei wählbare thermische Filter des Kochs. Ein leichter Kupfertopf kann andere Teile eines Feuerprofils weitergeben als ein schwerer Gusseisentopf. Diese Unterschiede sollen beobachtbar, vergleichbar und kulinarisch nutzbar bleiben.

  1. Mögliche geschmackliche Wirkung

Viele für Geschmack und Geruch wichtige Reaktionen verlaufen nicht linear mit der Temperatur. Hierzu gehören insbesondere Maillard-Reaktionen, Karamellisierung, Fettreaktionen, Wasserverdampfung, Krustenbildung und teilweise Pyrolyse.

Darum können zwei Kochvorgänge mit gleicher mittlerer Leistung oder gleicher Gesamtenergie dennoch unterschiedliche Ergebnisse erzeugen, wenn sich unterscheiden:

  • Höhe und Dauer der Temperaturspitzen
  • Zeit oberhalb bestimmter Reaktionstemperaturen
  • Feuchtigkeitsabfuhr zwischen den Wärmeschüben
  • Temperaturverteilung im Kochgefäß
  • Verhältnis zwischen Oberflächenreaktion und innerem Garfortschritt

Der Vorschlag behauptet nicht, dass jede Schwankung automatisch besser schmeckt. Er beschreibt ein System, mit dem diese Hypothese kontrolliert, reproduzierbar und durch Köche kreativ untersucht werden kann.

  1. Programmierung durch Köche

Der Koch kann:

  • ein vorhandenes Gas-, Glut- oder Lagerfeuerprofil laden
  • mittlere Hitze und Schwankungsstärke verändern
  • das Profil zeitlich strecken oder stauchen
  • einzelne Aufflammereignisse hinzufügen
  • Profile mischen
  • einen eigenen Kochvorgang aufzeichnen
  • Profile bestimmten Töpfen und Speisen zuordnen
  • sensorische Notizen und Messwerte speichern
  • eine Variante mit anderen Köchen teilen
  • ein fremdes Profil auf dem eigenen Herd sicher übersetzen lassen
  • dasselbe Profil bewusst mit unterschiedlichen Topfmaterialien vergleichen

Eine grafische Bedienung kann das Profil ähnlich einer Tonspur oder musikalischen Partitur zeigen. Der Koch bearbeitet dabei nicht gefährliche elektrische Schaltvorgänge, sondern thermische Ereignisse wie Grundhitze, Impuls, Glutphase, Abkühlphase, Rhythmus und räumliche Verteilung.

  1. Räumliche Feuerprofile

Ein Feuer verändert nicht nur seine Gesamtleistung. Es erwärmt unterschiedliche Bereiche eines Topfes verschieden. Ein Herd mit mehreren unabhängig steuerbaren Spulen, Widerstandszonen, Infrarotstrahlern oder anderen Heizelementen kann deshalb zusätzlich eine zeitlich veränderliche räumliche Wärmeverteilung erzeugen.

Denkbar sind unter anderem:

  • wechselnde Erwärmung von Mitte und Rand
  • wandernde Wärmeschwerpunkte
  • ringförmige Erwärmung ähnlich einer Gasflamme
  • asymmetrische Wärme wie bei seitlichem Wind
  • kurzzeitige lokale Wärmeschübe
  • an Topfbewegungen angepasste Profile
  • Kombination aus räumlicher und zeitlicher Feuerdynamik
  1. Geeignete Herdarten

Das Prinzip kann mit verschiedenen elektrischen Heiztechniken verwirklicht werden:

  • Induktionsherd
  • Mehrspulen-Induktionsherd
  • Widerstandskochplatte
  • Glaskeramik- oder Strahlungskochfeld
  • Infrarotkochfeld
  • elektrische Grill- und Bratplatte
  • elektrischer Wokherd
  • Backofen, Pizzaofen oder Röster mit mehreren Heizelementen
  • Niedervolt-Versuchskochplatte

Schnell regelbare Induktion ist besonders geeignet. Bei trägeren Heizsystemen wird das Ansteuersignal durch das Geräteprofil vorverzerrt. Wenn eine natürliche Dynamik technisch nicht erreichbar ist, wird dies im Profil oder in der Wiedergabequalität ausgewiesen, statt durch eine unbemerkte Topfkorrektur ersetzt zu werden.

  1. Ausprobieren: Profile und Töpfe vergleichen

Ein erster Versuchsblock hält Zutaten, Kochgefäß und Ausgangstemperatur konstant und vergleicht:

  1. konstante Leistung
  2. ein geglättetes Profil
  3. ein gemessenes Gasflammenprofil
  4. ein gemessenes Glutprofil
  5. ein gemessenes Lagerfeuerprofil
  6. ein zeitlich oder statistisch verändertes Kontrollprofil

Dabei werden nach Möglichkeit angeglichen oder gesondert ausgewertet:

  • Gesamtenergie
  • mittlere Topfbodentemperatur
  • maximale Temperatur
  • Garzeit
  • Wasserverlust

Messgrößen können Farbe, Krustenstruktur, Masseverlust, Temperaturverlauf, flüchtige Aromastoffe, ausgewählte Maillard-Produkte und eine verblindete sensorische Bewertung umfassen.

Ein solcher Vergleich kann zeigen, ob eine Wirkung wirklich aus der thermischen Dynamik stammt oder lediglich aus höherer Spitzentemperatur, längerer Garzeit oder stärkerer Austrocknung.

Ein zweiter Versuchsblock hält Feuerprofil, Zutaten und Ausgangstemperatur konstant und verändert nur das Kochgefäß, etwa:

  1. leichter Kupfertopf oder kupferhaltiges Mehrschichtmaterial
  2. Aluminium
  3. Edelstahl-Mehrschichtmaterial
  4. Kohlenstoffstahl
  5. Gusseisen

So wird gerade nicht so getan, als seien alle Töpfe gleich. Untersucht wird vielmehr, welche thermische Handschrift aus der Verbindung von Feuerprofil, Herdverfahren, Kochgefäß und Speise entsteht.

  1. Sicherheit

Hochgeladene Profile dürfen niemals unmittelbar sicherheitskritische Leistungselektronik steuern. Zwischen Profil und Heizelement arbeitet eine nicht überschreibbare Sicherheitsschicht. Diese kann insbesondere begrenzen:

  • maximale Leistung
  • maximale Topf- und Gerätetemperatur
  • zulässige Änderungsgeschwindigkeit
  • Dauer hoher Temperatur
  • Betrieb ohne geeignetes Kochgefäß
  • Trockenlauf, Überkochen und unbeaufsichtigten Betrieb
  • Belastung von Spulen, Schaltern, Leitungen und Netzanschluss

Die technische Umsetzung an Netzspannung und leistungsstarken Induktionsstufen gehört ausschließlich in entsprechend qualifizierte Entwicklung und Prüfung.

Solche Schutzfunktionen dienen nur der Betriebssicherheit. Sie müssen das Kochgefäß nicht thermisch charakterisieren und dürfen nicht unbemerkt das gewählte Feuerprofil auf ein vermeintlich ideales Topfverhalten umrechnen.

  1. Verhältnis zu bereits bekannten Techniken

Bereits bekannt sind programmierbare Kochstufen, Temperaturprofile, gespeicherte Rezepte, adaptive Topferkennung und verschiedene Formen einer optischen oder regelungstechnischen Gasflammen-Nachahmung.

Die folgende Einordnung ist eine vorläufige, nicht vollständige Recherche. Sie ist weder eine Patentfähigkeitsanalyse noch eine Aussage zur Handlungsfreiheit gegenüber bestehenden Schutzrechten.

Dieser Beitrag richtet den Blick ausdrücklich auf die kombinierte Verwendung von:

  • thermisch vermessenen realen Feuerarten
  • an der natürlichen Topfposition gemessenen Zeit- und Raumprofilen
  • frei ladbaren und bearbeitbaren Profilen
  • geräte- und verfahrensabhängiger Übersetzung ohne notwendige Topferkennung
  • bewusster Offenhaltung des Topfmaterials als kulinarischer Versuchsvariable
  • reproduzierbaren stochastischen Profilen
  • gezielter Untersuchung und Gestaltung chemischer, geschmacklicher und sensorischer Ergebnisse
  • einer offenen Bibliothek thermischer Handschriften von Köchen

Nahe technische Veröffentlichungen sind beispielsweise:

  • US 2023/0389137 A1: Cooktop mit gespeicherten Heizprofilen und Heizstufen, Priorität 2014 – https://patents.google.com/patent/US20230389137A1/en
  • US 2024/0373512 A1, später US 12,193,120 B2: Induktionssystem mit gasähnlicher Erfahrung, adaptiver Topferkennung und räumlicher Mehrspulenheizung, Priorität 2023 – https://patents.google.com/patent/US20240373512A1/en
  • US 2024/0358188 A1: Aufzeichnung, Wiedergabe und Automatisierung von Kochabläufen, Priorität 2023 – https://patents.google.com/patent/US20240358188A1/en
  • CN 111947191 B: Elektromagnetischer Wokherd mit simuliertem offenem Feuer, Priorität 2020 – https://patents.google.com/patent/CN111947191B/en
  1. Offene Varianten

Zur Vermeidung unnötiger technischer Verengung werden ausdrücklich auch folgende Varianten offengelegt:

  • Profile aus Messung, Simulation, Handzeichnung oder maschinellem Lernen
  • Transformation eines Flammenvideos oder Audiosignals in ein thermisch validiertes Profil
  • automatische Entfernung thermisch unwirksamer Frequenzanteile
  • Skalierung eines Profils auf unterschiedliche Leistungen und Garzeiten
  • Rückwärtsbestimmung eines Profils aus einem gewünschten Temperaturverlauf
  • adaptive Profile, die auf Feuchtigkeit, Bräunung, Masseverlust oder Sensorsignale reagieren
  • Profile mit mehreren aufeinanderfolgenden Feuerarten
  • Profile für Pfannen, Töpfe, Woks, Platten, Öfen und Grills
  • lokale, USB-, Netzwerk- oder Cloud-Übertragung
  • offene öffentliche oder private Profilbibliotheken
  • Bewertungssysteme für Aroma, Kruste, Textur, Energieverbrauch und Reproduzierbarkeit
  • kryptografische Prüfsummen, Signaturen und Versionshistorien
  • Übersetzung desselben Profils zwischen unterschiedlichen Herstellern und Herdarten
  1. Zweck der Veröffentlichung

Diese technische Beschreibung wird öffentlich zugänglich gemacht, damit die Idee untersucht, diskutiert, weiterentwickelt und praktisch erprobt werden kann. Die Grundidee soll nicht durch eine spätere exklusive Aneignung blockiert werden.

Der Text wird unter CC BY 4.0 veröffentlicht. Er darf unter Namensnennung geteilt und bearbeitet werden. Creative-Commons-Lizenzen betreffen vor allem urheberrechtliche Nutzungen und ersetzen keine Prüfung möglicherweise bestehender Patent- oder sonstiger Rechte Dritter.

Die Veröffentlichung ist eine Einladung an Köche, Lebensmittelchemiker, Physiker, Regelungstechniker, Herdhersteller und offene Hardwareprojekte:

Behandeln wir Wärme nicht nur als Stufe oder Zieltemperatur, sondern als gestaltbaren zeitlichen und räumlichen Verlauf – als thermische Handschrift.


Hinweis zu Urheberschaft und erwünschter Resonanz

Die Grundidee der thermischen Feuerprofile geht auf ein Gespräch von Sven Eweleit im Jahr 1979 zurück und wurde 2026 durch SenGeKu öffentlich ausgearbeitet und zugänglich gemacht.

Die freie Veröffentlichung soll Forschung, technische Entwicklung und wirtschaftliche Umsetzung ausdrücklich ermöglichen. Wer das Konzept in Forschung, Produktentwicklung oder kommerziellen Angeboten aufgreift, wird um eine sichtbare Nennung von Sven Eweleit und SenGeKu sowie um einen Verweis auf diese Veröffentlichung beziehungsweise den späteren DOI gebeten.

SenGeKu begrüßt außerdem Rückmeldungen, fachlichen Austausch, Einladungen, Kooperationen und eine freiwillige faire Anerkennung, wenn aus der Idee wirtschaftlicher oder öffentlicher Nutzen entsteht. Eine solche Anerkennung kann finanziell erfolgen, aber ebenso durch Reputation, Publizität, Beteiligung am fachlichen Austausch, sinnvolle Geschäftskontakte oder andere Formen des Wohlwollens.


Quellen und weiterführende Hinweise

  • Guide Michelin: Nicolas Boutin über das Kochen mit Flamme und seine Erfahrung, dass selbst Pommes mit Gas besser als elektrisch gelingen – https://guide.michelin.com/mo/en/article/features/what-ignites-me-nicolas-boutin-of-epure
  • Guide Michelin: Wok Hei und ein geschmacklich nicht gleichwertiger Versuch auf einem Induktionsherd – https://guide.michelin.com/sg/en/article/dining-out/what-is-wok-hei-sg
  • WIPO: Patents FAQ; Abschnitt zu defensiver Veröffentlichung – https://www.wipo.int/en/web/patents/faq_patents
  • Europäisches Patentamt: Guidelines for Search and Examination at the EPO as PCT Authority, G-IV, 1; Begriff des Standes der Technik – https://www.epo.org/en/legal/guidelines-pct/2026/g_iv_1.html
  • Europäisches Patentamt: Guidelines for Examination, G-IV, 7.5.1; Datierung von Internetveröffentlichungen – https://www.epo.org/en/legal/guidelines-epc/2026/g_iv_7_5_1.html
  • Cabeza-Gil, I.; Calvo, B.; Grasa, J.; Franco, C.; Llorente, S.; Martínez, M. A. (2020): Thermal analysis of a cooking pan with a power control induction system. Applied Thermal Engineering 180, 115789. DOI: 10.1016/j.applthermaleng.2020.115789
  • Lucía, O.; Burdío, J. M.; Millán, I.; Acero, J.; Puyal, D. (2009): Load-Adaptive Control Algorithm of Half-Bridge Series Resonant Inverter for Domestic Induction Heating. IEEE Transactions on Industrial Electronics. DOI: 10.1109/TIE.2009.2022516
  • Boccuni, A.; Capisani, L. M.; Del Bello, F.; De Vito, D.; Ferrara, A.; Paderno, J. (2011): Temperature estimation of cooking vessel content via EKF and sliding mode observers in induction cooking systems. IFAC Proceedings Volumes 44(1), 4350–4355. DOI: 10.3182/20110828-6-IT-1002.02103
  • Martins, S. I. F. S.; Jongen, W. M. F.; van Boekel, M. A. J. S. (2000): A review of Maillard reaction in food and implications to kinetic modelling. Trends in Food Science & Technology 11, 364–373. DOI: 10.1016/S0924-2244(01)00022-X
  • van Boekel, M. A. J. S. (2001): Kinetic aspects of the Maillard reaction: a critical review. Nahrung/Food 45(3), 150–159. DOI: 10.1002/1521-3803(20010601)45:3%3C150::AID-FOOD150%3E3.0.CO;2-9
  • Xu, Y.; Wang, L.; Yang, P.; Wang, J.; Zhang, H.; Wang, T.; Zhang, Z.; Wei, W.; Zhang, C. (2025): Heat transfer enhancement mediated by moisture diffusion improves the volatile profiles of meat stir-fried with high-temperature short-time. Meat Science 223, 109770. DOI: 10.1016/j.meatsci.2025.109770

Empfohlene Zitierweise:
Eweleit, Sven (2026): Feuer als thermische Partitur – Thermische Feuerprofile für programmierbare Elektroherde. SenGeKu, Internetveröffentlichung 1.0, 29. Juli 2026. https://www.sen-ge-ku.de/feuer-als-thermische-partitur/

Sengeku.de  © 2020-2025 Sven Eweleit


Eweleit, S. (2026). Feuer als thermische Partitur. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.21705822